Die Prä-/Trans- Verwechslung

Du willst dich spirituell entwickeln? Dann wirst Du nicht drum herum kommen, dich in Bewusstheitszustände jenseits des Rationalen zu begeben.

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Da jenseits des Rationalen erst mal nur sagt, worum es sich nicht handelt, lohnt es sich, genau hinzusehen wo du dich befindest. Wir unterscheiden grundlegend zwei Zustände jenseits des Rationalen.

Der eine Bewusstheitszustand führt dich in das Isis Äon zurück. Dieser lässt sich als prärationale Erfahrung beschreiben.

Die andere führt dich in das Horuszeitalter. Das ist die transrationale Erfahrung. So verschieden beide sind, so haben sie doch auch genug Ähnlichkeiten, dass Du sie verwechseln kannst.

Geprägt hat diese beiden Begriffe Ken Wilber und er war auch der erste, der uns nachdrücklich vor der Gefahr der Verwechslung zwischen „prärationaler“ und „transrationaler Erfahrung“ warnte.

Doch bevor wir uns um die Gefahr der Verwechslung kümmern können, müssen wir erst einmal verstehen, was diese beiden Erfahrungen ausmacht.

Die Prärationale Erfahrung

Ken Wilber wählte für diese Art der Erfahrung den wunderbaren Begriff der ozeanischen Adualität. Wir erleben uns als eins mit dem Universum. Sämtliche Schranken verschwinden. Das Ich scheint sich im Kosmos aufzulösen. Wir sind berauscht von einer Glückseligkeit, die kaum zu ertragen ist.

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Eine höchst emotionale und oft auch sehr lichtvolle, leuchtende Erfahrung. Alles andere scheint störend oder bedeutungslos, ja sogar völlig irreal zu werden. Es ist das große All-eins-sein. Alles Trennende wie Denken und Verstand erscheint in diesem Licht als überflüssig, als großes Übel, als schmerzhafte Trennung, die in jedem Fall überwunden oder vermieden werden muss, um in diesem Licht aufzugehen.

Diese Erfahrung tritt in Folge von tiefer Meditation auf. Kann aber auch durch Einnahme halluzinogener Substanzen wie LSD auftreten und selten auch spontan oder durch Krisen.

Sie ist problematisch, wenn die Wucht der Emotionalität dieses Erlebnisses die Gültigkeit der Alltagserfahrung rigoros in Frage stellt. Leicht kann es dann passieren, dieses Gefühl als Sinn und Zweck, ja als als Endpunkt seiner spirituellen Entwicklung zu glorifizieren.

Menschen, die diesem Zustand erlebt haben und ihn nicht reflektieren können, überhöhen in der Regel ihr Ich. Sie halten sich für erleuchtet. Sie sehen sich als Reinkarnationen von Jesus oder Buddha, leiden unter Megalomanie oder verharren einfach in selbstvergessener Glückseligkeit.

Liber L III 62 ….Zu mir kommt ihr durch das Drangsal der Prüfung die Seligkeit ist…

Die Transrationale Erfahrung

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Auch die transrationale Erfahrung ist mit intensiven Gefühlen verbunden. Aber im Gegensatz zur prärationalen Erfahrung bleibt das Bewusstsein ganz klar, ja wird immer klarer. Sobald aber die Gefühle überhand nehmen und das klare Bewusstsein übermannen, verlierst Du diese Klarheit und fällst in der Regel ins gewohnte Alltagsbewusstsein zurück.
Die begleitenden Gefühle sind hier also eher die Welle, welche die eigentliche Erfahrung trägt als das Erleben selber.

Eine transrationale Erfahrung ist immer eine starke Erfahrung der Kohärenz von uns selbst, der Welt und unseren Mitmenschen. Wir erleben uns als lebendiges Muster in lebendigen Mustern.

Damit befinden wir uns jenseits von wahr und falsch. Statt dessen erleben wir auf eine intuitive Art und Weise, ob etwas zu dem Muster, das wir gerade sind, passt oder nicht. Wir können die Muster verändern wenn wir wollen (und können 🙂 ). Sie können auch anders sein, sind aber nie beliebig.

Auch die Komplexität des Musters können wir steigern. Wird die Komplexität aber zu groß, fallen wir aus diesem Zustand heraus, da unsere Aufmerksamkeit das Muster nicht mehr halten kann.

Ebenso endet sie, wenn wenn die Komplexität zu klein bleibt, dann übernimmt wieder der Verstand.

Eine weitere Besonderheit der Transrationalität: Wir können sie jederzeit willentlich verlassen. Zum Beispiel indem wir uns auf Alltäglichkeiten konzentrieren, bewusst in den Bauch atmen oder den ganzen Körper kurz und kräftig anspannen.

Wichtig und ein gutes Kriterium wo Du dich befindest:
Transrationalität wird immer als Erweiterung erfahren, nicht als Erlösung von Rationalität.

Was können wir tun um Transrationalität zu erreichen?

Eine transrationale Erfahrung lässt sich nicht erzwingen. Wir können sie indirekt ansteuern, indem wir den Boden für sie bereiten.

Konkret heißt das: Befasse dich mit Themen, die über die zweiwertige Logik hinaus gehen, durchdenke sie und mache sie für dich anschaulich. Geeignete Themen wären z.B. die Systemtheorie von Luhmann, Whiteheads Prozessphilosophie oder auch die polykontexturale Logik von Gotthard Günther.

Aus einer transrationalen Erfahrung gewinnen wir oft Handlungsmöglichkeiten mit überprüfbaren Ergebnissen. Nutze das, um dir den Wert einer solchen Erfahrung klar zu machen. Das kann die Bereitschaft erhöhen, dich immer wieder auf solch einen Bewusstseinszustand einzulassen.

Und last not least: Lebe einpunktig, mach aus deinem Leben ein lebendiges Muster.

Die Verwechslung von Prärational und Transrational

Wie kommt es zu dieser Verwechslung? Die Antwort ist schlicht: Beide verlassen das gewohnte Denken, insbesondere was Ursache-Wirkung betrifft. Zudem sind beide mit intensiven Gefühlen verbunden.

Um Prä und Trans besser auseinander halten zu können, hier die wichtigsten Merkmale in tabellarischer Übersicht:

Prärational Transrational
Die Komplexität… sinkt und oder wird negiert. wird erhöht.
Die Ergebnisse dieser Erfahrung sind… feststehende subjektive Gewissheiten. intuitives Verstehen und mehr an Handlungsmöglichkeiten.
Veränderte Gefühle sind … zentraler Bestandteil und überwältigend. eine Welle, auf die das klare Bewusstsein surft.
Die Wahrheit… gibt es und diese Erfahrung zeigt sie. ist ein Konzept, das hier nicht weiter hilft.
Das Ich… löst scheinbar sich auf. ist ein lebendiges Muster in lebendigen Mustern.
Rationalität… ist das Übel. ist als Hilfsmittel zum Prüfen integriert.

Die Gefahren der Verwechslung

Bedenke, dass jede spirituelle Entwicklung sich früher oder später aus dem Bereich des Alltagsbewusstsein hinaus begibt. Für deine Entwicklung ist es deshalb wichtig, diesen Weg nicht alleine zu gehen.

Wer eine prärationale für eine transrationale Erfahrung hält, will zumeist nicht weiter lernen. Wozu auch. Er glaubt ja, zum Beispiel von irgend einer Wahrheit, erleuchtet zu sein. Das ist eine Sackgasse. Verwirrung und sogar verwirrende Schleifen von Selbsttäuschungen sind vorprogrammiert. Du könntest versucht sein, dich von anderen Menschen zurück zu ziehen, doch genau das solltest Du keinesfalls tun. Denn diese Knoten zu entwirren ist allein, ohne verstehende, fragende Gesprächspartner aussichtslos.

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Aber auch wer transrationale Erfahrungen macht, braucht Menschen um sich herum. Du hast Möglichkeiten erfahren, wie Du selbst, die Welt als Ganzes und andere Menschen in großen lebendigen Mustern zusammen spielen. Doch die Gefahr, die Einzigkeit deiner Erfahrung nicht wahrhaben zu wollen, ist groß für einen Einzelkämpfer.

Du brauchst Verbündete, Menschen, die sich mit dem Weg vom Rationalen zum Transrationalen auskennen. Die diesen Weg schon gegangen sind oder zumindest selbst auf diesem Weg sind. Denn diese Menschen sind es, mit denen Du deinen Alltag – nun auch praktisch umgestalten willst. Schritt für Schritt.

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